Der ungewöhnliche Weg, wie die Welt einen Sinn bekommen kann

Ich esse alles!“ Das war die Antwort auf meine erste Frage in diesem Leben, die ich Paramahamsa Vishwananda stellte. Im letzten Jahrtausend, als damals etwas militanter Vegetarier, hat mich dies schon ziemlich überrascht. Und natürlich konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass Er immer für eine Überraschung gut ist und es einfach unmöglich ist, Ihn in eine Schublade zu stecken.

Zu dieser Zeit hatte ich viele Fragen, weshalb auch gleich die Nachfrage kam, ob er denn Fleisch esse. Jetzt schaute Er mich ziemlich erstaunt an, ich hatte den Eindruck, ich habe Ihn gefragt, ob Er denn Steine essen würde. Jedenfalls kam ziemlich klar rüber, dass Er Fleisch nicht als Lebensmittel betrachtete. Wir saßen also beim Frühstück in der Sonne vor der „Schweibenalp“, einem Babaji-Ashram in der Schweiz, wo er überraschend aufgetaucht war. Er hatte für viele Anwesende heilige Asche, „Vibuthi“, manifestiert, und so hatte ich mich gleich zu Ihm gesetzt, nachdem Er sich mit einem Brötchen auf dem Teller an einen freien Tisch begeben hatte. Ich habe zunächst versucht, Seinen Diätplan zu verstehen und einzugrenzen was dieses „Ich esse alles!“ denn bedeuten mochte. Es waren bestimmt noch fünf bis zehn verschiedene Lebensmittel, nach denen Er gefragt wurde, und zu allen sagte Er „Nein, sowas esse ich nicht“. Also schaute ich mir Sein Brötchen mit Butter und Kirschmarmelade genauer an und kommentierte, wie grausam die Kirschen mit Gift von den Bäumen geholt würden. Er schaute Sein Brötchen kritisch an und fragte, ob ich es fertig essen wolle. So kam ich gleich am ersten Tag zu Mahaprasad!

Dieser Zwischenfall hatte unserer Unterhaltung keinen Abbruch getan und so ging es damit weiter, dass Er mir das Materialisieren beibringen solle. Er lehnte zwar ab, weil dies ein Geschenk von Gott sei und nicht erlernbar, ich blieb aber hartnäckig. Wenn Er nur wollte, konnte Er es mir bestimmt beibringen, da war ich mir sicher.

Jedenfalls fing Er danach an, für alle Anwesenden Dinge zu manifestieren: Ringe, Ohrringe, Ketten, Uhren und alle anderen Arten von Schmuck. Einem kleinen Mädchen, das mir bis ans Knie reichte, gab er eine Gebets-Mala, die größer war als das Kind, und die Ihm einfach Stück für Stück aus der Hand rutschte.

Am Abend zuvor war ich zusammen mit zwei Freunden zu einem Familienwochenende in den Ashram gekommen. Es waren zwar sonst nur Familien oder Mütter und Väter mit Kindern dort, aber niemand schien sich an uns Singles zu stören. Man konnte sich in eine Liste eintragen, um am nächsten Nachmittag ein Gespräch mit einem jungen „Heiler“ zu haben. Zuerst waren wir die einzigen, die sich eingetragen hatten, waren wir doch nur aus diesem Grund gekommen. Nach dem Frühstück am nächsten Tag waren dann aber doch alle auf dieser Liste.

Zwei Monate zuvor hatte ich in einer Meditationsgruppe ein besonderes Erlebnis gehabt. Der Meditationsraum war im Keller und als dort zwei Mitglieder der Gruppe, Michael und Beate, die Treppe herunterkamen, sah ich beide in eine goldene Aura gehüllt. Als sie erzählten, dass sie gerade bei einem jungen Heiler gewesen waren, war klar, dass ich diesen „Make-the-Aura-glow“-Menschen unbedingt auch kennenlernen wollte. Und kurze Zeit später bekam ich tatsächlich einen Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde, dass Er an diesem Familienwochenende Interviews geben würde.

Der Zeitpunkt für mein Gespräch kam, und plötzlich war ich mir nicht mehr sicher, was ich Ihn noch fragen sollte. Wir hatten beim Frühstück bestimmt schon mehr als eine Stunde über Gott und die Welt gesprochen. So kam es, dass wir uns über verschiedene „Verschwörungstheorien“ unterhielten. Heute sagt Er bei so etwas meist: „Das ist nicht mein Thema“, aber zu dieser Zeit konnte man noch überraschende Sichtweisen von Ihm erfahren. Obwohl Er 20 Jahre alt war, kannte Er zu jedem Thema bekannte Persönlichkeiten und nannte mir ihre Ideen. Zur Fälschung der Mondlandung sagte er zum Beispiel: „Hmmm, warum hat mir Adrien das letztlich nicht gesagt? Er war doch auf dem Mond, oder?“ Das Gespräch ging so dahin und plötzlich kam ein Gedanke in meinen Verstand, der nicht von mir zu kommen schien: „Er kann dir auch nicht helfen“. Das war sehr überraschend, weil ich ja gar nicht nach Hilfe gesucht hatte. Ich war allein aus Neugierde dort und hatte absolut keine Erwartungen, außer vielleicht, eine gute und interessante Zeit zu haben. Jedenfalls zog ich in Gedanken Bilanz und dachte, dass es eine unglaublich tolle Erfahrung war, Ihn kennen zu lernen. Aber dass nun die Luft raus sei, wir ein nettes „Good bye“ sagen und wieder unserer Wege gehen würden.

Da machte Er eine Bewegung mit der Hand, sagte: „Ich habe hier was für Dich“ und gab mir ein Medaillon. Das Medaillon war super, ja, aber eigentlich ist etwas ganz anderes passiert. In diesem Moment fuhr ein Blitz oder eine Welle durch mich und verschob jedes Atom meines Körpers um ein paar Grad; ich habe jedenfalls keine andere Idee, wie man es sonst beschreiben könnte. Plötzlich machte das Universum Sinn, innere Anspannung und Verzweiflung fielen schlagartig von mir ab. Es klärte sich die Frage, warum die Welt so falsch ist und Menschen falsche Dinge tun, etwas was ich zuvor nie nachvollziehen konnte.

Dieses Erlebnis war so intensiv und bleibend, dass ich Ihn von da an immer besuchte, wenn sich die Gelegenheit ergab. Der Beginn einer ständig wachsenden Liebe, welche auch heute noch jeden Tag neu ist.

Swami Vishwamadhavananda, August 2018 – 20 Jahre nach der ersten Begegnung

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