Mannis Geschichte

Dies ist Mannis Geschichte. Ich habe die Erlaubnis, sie für ihn aufzuschreiben, weil er es nicht mehr kann. Manni heißt eigentlich Manfred, aber alle nennen ihn Manni. Manni ist krank, sehr krank sogar. Ich habe niemals jemanden gekannt, der kränker ist. Er leidet an einer schweren Erbkrankheit mit Namen „Chorea Huntington“. Diese Krankheit zerstört seinen Körper, seinen Geist und seinen Intellekt. Sie bewirkt einen zunehmenden Verlust der Kontrolle über die Willkürmotorik, was bedeutet, dass Manni keine Kontrolle mehr über die Bewegungen seiner Arme und Beine hat. Die Krankheit geht einher mit schwerer Demenz und ausgeprägter Psychose und führt in den meisten Fällen spätestens nach 15 Jahren zum Tod. Anfangs konnte Manfred noch laufen und Treppen steigen, inzwischen sitzt er im Rollstuhl.

Der Ausbruch seiner Krankheit liegt 18 Jahre zurück, was außergewöhnlich ist und bedeutet, dass seine letzte Lebensphase sicherlich schon lange begonnen hat. Er muss sehr starke Medikamente nehmen, um überhaupt noch eine Form von Lebensqualität zu haben. Seine Frau sagt oft, diese Medikamente würden einen Elefanten umhauen, so hoch müssten sie dosiert werden. Manni kann nicht mehr selber schlucken und muss vollständig über Sonde ernährt werden. Auch sein Sprechen ist nahezu unverständlich. Seine Frau kümmert sich auf eine unglaubliche Art und Weise um ihn und ermöglicht ihm so auch in diesem späten Stadium der Krankheit noch eine Teilhabe am normalen Leben. Seit zehn Jahren begleitet Manni seine Frau zum Gesangsunterricht und zur Probe unseres geistlichen Frauenchores. Jede Woche sitzt er versunken in seinem Rollstuhl, wird ganz ruhig und genießt andächtig die Musik. In all den Jahren habe ich Manfred nie mehr sagen hören als „Ja“ und den Namen seiner Frau. Ich habe auch nie wirklich versucht, mich mit ihm zu unterhalten, habe ihn lediglich begrüßt und mich von ihm verabschiedet. Bis vor zwei Monaten.

Wir hatten Chorprobe in einer Kirche. Nach der Probe standen Manni, seine Frau, der Pfarrer und ich noch im Kirchenraum zusammen und unterhielten uns über das anstehende Konzert. Manfred war sehr unruhig und versuchte sichtbar, aus dem Rollstuhl aufzustehen. Er wippte vor und zurück. Da sagte seine Frau einen Satz, den ich nie wieder vergessen werde: „Manni, bleib mal sitzen, wir machen jetzt kein BaBAji“ (Sie betonte die zweite Silbe). Ich war überrascht und glaubte, mich verhört zu haben. Ich lachte und fragte nach: „Was macht ihr nicht? Das hört sich russisch an?“ Und seine Frau wiederholte es: „Wir machen kein BaBAji.“ Mir gingen im selben Moment mindestens eintausend Gedanken auf einmal durch den Kopf. Ich hatte mit ihr niemals über Guruji oder Babaji gesprochen. Ich dachte mir also, das müsse ganz sicher ein Irrtum sein. Ich nahm dennoch allen Mut zusammen und fragte nochmals: „Meinst du Babaji? Wird das Wort BAbaji ausgesprochen?“ Und sie antwortete: „Ich habe keine Ahnung, wie man das ausspricht. Manfred hat vor ein paar Wochen plötzlich angefangen, von Babaji zu erzählen. Er sagte, dass Er zu ihm gekommen wäre und ihm gesagt habe, er soll auf den Boden gehen und sich verbeugen. Und dass Manfred Leute heilen könne, wenn er ihnen seine Hand auf den Kopf legt. Ich kannte den Namen Babaji nicht, und dann hab‘ ich im Internet nachgeschaut und herausgefunden, dass es ein Heiliger aus dem Himalaya ist.“

Ich war geschockt! Ich fragte Manni daraufhin: „Manni, kennst du Babaji?“ Und er schaute mich mit ganz klarem Blick an und sagte: „Ja!“ Ich sagte: „Ich kenne Babaji auch! Und ich kenne einen lebenden Schüler von Babaji. Der wohnt bei Wiesbaden, und der ist auch ein heiliger Mann.“ Ich hatte noch eine Visitenkarte von Guruji in meinem Geldbeutel, und diese gab ich Manfred in die Hand. Er nahm sie, schaute sie lange an und entspannte sich dabei sichtlich. Dann hob er seine Augen und signalisierte mir, dass er mir etwas sagen wollte. Ich kam ganz nah zu ihm, und er sagte klar und deutlich zu mir: „Ich bin erleichtert!“

Ich fragte: „Warum bist du erleichtert? Weil ich dir glaube?“

Und er sagte: „Ja!“

Ich gab Manni ein Foto von Babaji sowie das Buch „Kleiner Guruji“. Er schaut es sich täglich an und seine Frau sagt, er versuche sogar, den Babaji in dem Buch zu füttern.

Etwa acht Wochen später empfingen Manni und seine Frau ihren ersten Darshan von Guruji. Auf der Rückfahrt sagte Manni im Auto, es sei „überirdisch“ gewesen und er wolle feiern. Ich denke, Mannis Geschichte zeigt, auf welch ungewöhnlichen Pfaden Guruji zu uns kommt, und dass wir alle Seine Boten sein können.

M.

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