Mein Guru

Seit meiner Kindheit wusste ich, dass es im Leben noch mehr gibt als nur Schule, Arbeit, Freunde, Familie und das Streben nach materieller Sicherheit und Anerkennung. Ich glaube, das geht den meisten Menschen ganz genauso. Klar war es mir wichtig, dass ich meine Rechnungen komfortabel bezahlen und meine Kinder versorgen konnte, und dennoch war da immer dieses Loch ganz tief in meinem Herzen, und nichts und niemand konnte es füllen. Natürlich ging es um Liebe, nur Liebe kann dieses Loch stopfen. Immer habe ich nach Beziehungen gesucht, die mir helfen sollten, dieses Gefühl der Unzulänglichkeit zu beseitigen. Nach einer langen Reise, die mich unter anderem auch zu anderen Meistern nach Indien führte, hatte ich sozusagen vor meiner Haustür, nämlich in Deutschland, eine Begegnung, die mich dahin brachte, wo ich schon immer hinwollte.

Paramahamsa Vishwananda kam in mein Leben, ganz unspektakulär und ohne groß Pauken und Trompeten, wie wir das ja ganz gerne erwarten. Nein, Er kam einfach so, dass ich hätte meinen können, sie ist eigentlich gar nichts Besonderes, diese Begegnung. Doch meine Seele hatte auf diesen Moment gewartet, ohne dass mein Verstand oder mein Ego die Chance hatten einzugreifen. Sie führte mich auf diesen Weg, der unausweichlich war. Weil ich ihn schon so lange herbeigesehnt hatte, innerlich weinte, nicht verstand, warum ich denn noch immer dieses ungestillte Verlangen in mir hatte, obwohl im Außen alles gut war, schöne Beziehung, Kinder, Beruf. Meine Seele führte mich, damals, als ich in Dornach in der Schweiz zum ersten Mal ein Interview mit Swami Vishwananda hatte. Eine Freundin hatte mich mitgenommen. Ich erinnere mich, dass sie auf einmal einen wunderschönen Anhänger mit Strahlen trug, eingefasst in leuchtende Steine, von dem ich meine Augen nicht abwenden konnte. Da erzählte sie mir, dass ich die Erste und Einzige sei, die danach gefragt habe, obwohl er so offensichtlich leuchte und glänze und es jeder hätte wahrnehmen müssen. Diesen Anhänger hatte ihr ein junger Meister aus Mauritius materialisiert. Sie hatte eine überaus tiefe Erfahrung mit Ihm machen dürfen. Er hatte ihre Seele berührt. Mein Interesse war geweckt, und so fragte ich sie, ob sie mich nicht zum nächsten Interview mitnehmen könne. Gesagt, getan, wir fuhren in die Schweiz. Einige Zeit mussten wir in einer Küche warten, mit anderen sehr netten Leuten, dann durfte ich endlich in das Zimmer gehen, in dem der junge Mann aus Mauritius die Menschen empfing. Er saß vor einem Fenster und ich konnte Ihn kaum erkennen, da mich das Licht von draußen blendete, so dachte ich damals. Das verwirrte mich, und ich brachte leider kein gescheites Wort heraus, als Er mich nach meinem Anliegen fragte. Mit vier kleinen Kindern war ich damals immer ziemlich am Anschlag meiner Kräfte, und so stammelte ich einfach nur, dass ich immer so angespannt sei.

Das schien Ihn überhaupt nicht zu beeindrucken und war wohl die absolut falsche Frage! Er gab mir zwei Päckchen Vibhuti (heilige Asche), hob die Hand zum Segen und so schnell wie ich drin war, war ich auch schon wieder draußen. Meine Frage kam aus dem Verstand, nicht aus dem Herzen und ich lernte sehr schnell: Bei Paramahamsa Vishwananda führt alles zurück zur Quelle. Alle Erfahrungen, die ich machen durfte und immer noch mache, bringen mich dazu, zu hinterfragen, zu spüren, in mein Herz zurückzukehren. So auch damals, bei meiner ersten Begegnung mit Ihm. Als ich wieder in der Küche war, spürte ich genau, dass das, was mich angespannt sein ließ, die Verkrampfung in meinem Mind war und die schiere Präsenz des Meisters mich in mein Herz zurück führte, mich die Liebe spüren ließ, die uns allen innewohnt. Das allein entspannte mich! So ist es auch noch heute. Mein Guru führt und begleitet mich mit unendlicher Geduld auf meiner Reise vom Kopf zum Herzen. Ich bin angekommen, da, wo ich immer hinwollte, und ich bin meinem Guru unendlich dankbar dafür.

Mataji Anuprabha

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