Achterbahn der Gefühle

Im August 2015, Anfang der Schulsommerferien, machte mich eine Freundin, Sudhamayi, auf ein spirituelles Zentrum in Hessen aufmerksam. Sie lud mich ein, einfach mal vorbei zu kommen, und das tat ich dann auch voller Neugier. Da ein guter Kumpel, mittlerweile mein Partner, ebenfalls sehr an hinduistischer Tradition und Yoga interessiert war, machten wir die Reise gemeinsam. Ganz unvoreingenommen, ohne jegliches Wissen darüber, was Shree Peetha Nilaya bedeutet, war ich nun also im Ashram angekommen. Das Erste, was ich wahrnahm, war, dass ich mich an diesem Ort sehr wohlfühlte, die Atmosphäre war einfach traumhaft. Auf einem Rundgang mit Sudhamayi wurde mir klar, dass Gott hier in verschiedenen Aspekten verehrt wird. Das war erstmal etwas verwirrend für mich. Wie konnte Gott so viele verschiedene Formen haben? Auch die Kleiderordnung und Verhaltensregeln waren gewöhnungsbedürftig.

Begegnung mit Guruji

Während wir das Außengelände begutachteten, kam ganz unerwartet ein Elektro-Golfwagen mit mehreren orangefarben gekleideten Männern auf uns zu. Ich sah nur, dass alle um uns herum auf die Knie gingen. Plötzlich blieb der Wagen genau vor uns stehen und Guruji sprach uns auf Englisch an. Leider verstand ich Seine Frage nicht, somit antwortete Ihm mein Freund.

Wie fühlte ich mich nach dieser ersten Begegnung? In erster Linie etwas dumm, weil ich Ihm nicht hatte antworten können. Wir schauten uns weiter um, ein zweites Mal kam Guruji auf uns zu und fragte uns nach unseren Namen sowie nach unserem Alter. Ich sah in Gurujis wunderschöne Augen und war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob diese Frage wirklich an mich gerichtet war. In Seinem Blick konnte ich nicht erkennen, ob Er meinen Freund neben mir ansah, oder mich. Diesmal konnte ich Ihm allerdings antworten, und das war ein schönes Gefühl.

Am Abend, als wir zum ersten Mal am Kali-Tempel zu Maha Kali gebetet hatten und uns Swami Aniruddha etwas über den Tempel erzählt hatte, kam Guruji ein drittes Mal an uns vorbei. Ich nahm Ihn wahr und dachte mir so ganz ohne Respekt und Hingabe: „Warum bleibt Er denn nun schon wieder bei uns stehen?“ Ich verstand diesen Segen gar nicht.

Erst im Nachhinein, durch Sudhamayi, wurde mir klar, wie gesegnet wir doch waren, dass Er so oft angehalten hatte, um mit uns zu sprechen. So ganz ohne Idee davon, wer der Guru ist und welch ein Segen es ist, seinem Guru begegnen zu dürfen, konnte ich Ihn anfangs nicht an mich heranlassen.

Ein „High“ an Liebe

Nach dieser ersten Begegnung habe ich mein Abitur nachgeholt und dabei Gurujis Unterstützung in allen Fächern gespürt, die mir schwerfielen. Da es mir in Shree Peetha Nilaya so gut gefallen hat, sind wir 2016 zum ersten Just Love Festival gefahren, und da habe ich mich endgültig in Guruji sowie in diesen Ort verliebt. Am liebsten hätte ich meine ganze Familie und alle meine Freunde eingepackt und mit nach Springen genommen.

Nach diesem „High“ an Liebe und meinem extremen Enthusiasmus folgte dann eine starke innere Traurigkeit, ohne dass ich wusste, warum. Als ich 2017 mein Abitur abgeschlossen hatte, war ich fest davon überzeugt, dass ich nun mein altes Leben hinter mir lassen würde. Ich machte mich also auf nach Bad Schwalbach und war nun regelmäßig im Ashram. Ich erlebte die Darshan-Tour durch Norddeutschland mit, und es breitete sich ein Gefühl der Freiheit in mir aus. Ich erlebte Navaratri 2017 und bewarb mich für das Seva-Programm. Es war eine höchst intensive Zeit, und ich konnte mir nicht vorstellen, nach Bayern zurückzukehren und mein altes Leben fortzusetzen. Ich spielte mit dem Gedanken, in die Nähe von Springen zu ziehen und nur noch von Luft und Liebe zu leben. Das habe ich aber bis heute nicht in die Tat umgesetzt, weil ich feststellen musste, dass doch noch einige Ängste in mir sind. Vor allem Existenzängste: Wie geht es beruflich weiter? Wo bewerbe ich mich? Was passiert, wenn ich alle zurücklasse?

Mittlerweile sind vier Jahre vergangen, und die Achterbahn der Gefühle hält bis heute an. Jedes Mal, wenn ich vor Guruji stehe, fällt mir auf, dass ich nicht mehr ohne Ihn sein mag. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Ihn denke und dankbar bin, Ihm begegnet sein zu dürfen.

Guruji, ich danke Dir so sehr, dass Du mich gerufen hast, und dass Du so viel Geduld mit mir hast. Danke, geliebter Guruji.

Anandapriya Dasi (Juana Surowiec)

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