Hingabe

Im Sommer 2010 war ich wieder mal in Findhorn, in Schottland. Dort gibt es seit über 50 Jahren eine spirituelle Gemeinschaft. Diesmal hatte ich einen Workshop mit dem schönen Titel „Close to God“ gebucht. Eines Morgens erwachte ich sehr früh und dachte über Gott nach, als vor meinem inneren Auge plötzlich in leuchtenden Großbuchstaben das Wort „TRUST“ (Vertrauen) erschien. Ich dachte nur sehr kurz nach und sagte dann innerlich: „Ich vertraue Dir voll und ganz.“ Kaum gesagt, erschien das nächste Wort in leuchtenden Buchstaben „SURRENDER“ (Hingabe). Oh, das war etwas ganz anderes. Ich spürte meinen Widerstand. Obwohl mir bewusst war, dass es richtig wäre, auch hier zuzustimmen, war ich dazu nicht in der Lage. Auch sagte ich innerlich zu Gott und versprach, darüber nachzudenken. Vor meiner Abreise kaufte ich dann noch einige schöne Kieselsteine, die mit Begriffen beschriftet waren wie „Love“, „Patience“, „Light“, „Grace“, „Healing“, „Trust“, „Peace“ und so weiter. Es gab auch Steine mit der Aufschrift „Surrender“, aber um die machte ich einen großen Bogen.

Surrender

Im Herbst 2012 war ich dann eine Woche in Taizé, in Frankreich. Dort lebt eine christliche ökumenische Gemeinschaft nach klösterlichen Regeln. Während dieser Zeit kam mir das Wort „SURRENDER“ wieder verstärkt in den Sinn. Mein Widerstand hatte sich zwar verringert, war aber noch spürbar. In einer stillen Stunde nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte innerlich: „I SURRENDER.“ Zu meinem allergrößten Erstaunen fühlte ich mich sofort von großer Freude erfüllt und sehr erleichtert. Doch fügte ich hinzu, mir sei bewusst, dass meine Hingabe noch nicht vollständig sei und bat Gott gleichzeitig um Hilfe und Unterstützung.

Erste Begegnung

Im Sommer 2013 nahm ich erstmals an einem OM Chanting teil. Rolf, unser OM Chanting-Koordinator erzählte von Paramahamsa Vishwananda. Er hatte diese kleinen „Visitenkarten“ mit einem Bild von Guruji dabei und kündigte an, dass Paramahamsa Vishwananda ein Jahr später nach Kiel kommen würde. Das Foto faszinierte mich sehr, und ich notierte mir sofort das Datum. Rolf sprach ebenfalls über Atma Kriya Yoga, das er unterrichtet, und so kam es, dass ich bereits in Atma Kriya Yoga eingeweiht war, bevor ich Guruji das erste Mal begegnete.

Bei meinem ersten Darshan war ich ziemlich aufgeregt. Die Musik war wunderschön und die Atmosphäre berührte mein Herz. Ich hätte danach ewig einfach dort sitzen können. Als Guruji den Saal verließ, füllten sich meine Augen mit Tränen und ich wurde sehr traurig. Es fühlte sich an, als sei die Sonne untergegangen.

Lehrer und Schülerin

Am nächsten Tag war Satsang mit Paramahamsa Vishwananda. Ich saß ziemlich weit hinten und wollte einfach nur zuhören und beobachten. Guruji stellte einige Fragen, es meldeten sich mehrere Leute und ein Gespräch entstand. Ich war völlig unvorbereitet, als Guruji plötzlich sagte, „vielleicht mal jemand von da hinten?“, und mich direkt ansah. Als ich zögerte, fügte er auf Deutsch hinzu: „mit Brille“! Damit war klar: Er konnte nur mich meinen. So suchte ich die nötigen Vokabeln zusammen und schaffte es, eine Antwort zu geben, mit der Guruji zufrieden war. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass darin das Wort „SURRENDER“ vorkam. Es war mir seit meiner Schulzeit nicht passiert, dass ich drangenommen wurde, ohne mich gemeldet zu haben. Ich zog den Schluss, dass Guruji wohl mein Lehrer sein musste, wenn er mich wie Seine Schülerin behandelte.

Es dauerte, bis ich voll Dankbarkeit erkannte, dass hier nun die Hilfe war, um die ich gebeten hatte: Guruji, die wunderbarste Unterstützung, die es gibt! Bleibt noch nachzutragen, dass ich bei meinem nächsten Besuch in Findhorn einen Stein mit der Aufschrift „Surrender“ kaufte. Er liegt nun zusammen mit den Steinen „Trust“ und „Love“ vor den Bildern von Guruji und Babaji in meinem Zimmer.

Gabriele Wiedebusch

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