Schrei um Hilfe

Im Jahr 2015 war ich am Tiefpunkt meines Lebens angekommen. Nachdem meine langjährige Beziehung ein Ende fand, ich mehr und mehr körperliche Beschwerden bekam, zudem eine sehr schwierige Zeit in meinem neuen Job hatte, wegen dem ich extra wieder in die alte Heimat zurückgezogen war, keine eigene Wohnung hatte und familiäre Probleme, war ich emotional am Ende. An den Wochenenden ging ich bis früh morgens aus, um mich von meinen alltäglichen Problemen abzulenken, und unter der Woche quälte ich mich mit der Arbeit und dem dazugehörigen Arbeitgeber. Mein Körper wurde stetig enger, kranker und schmerzte.

Eines Nachts, beziehungsweise Morgens als ich ausgegangen war und einen recht vergnügten Tag gehabt hatte, fuhr ich mit dem Auto durch den Wald nach Hause. Als es so dunkel und still war und ich keinerlei äußere Ablenkung hatte, wurde mir meine Situation schlagartig bewusst. Wie sollte das alles bloß weitergehen? Ich war unglücklich, einfach nur tief unglücklich. In mir war eine gähnende Leere, und ich wusste, dass ich solch ein Leben nicht wollte. Alles schien mir unwirklich, aufgesetzt und vorgespielt.

Gott bitte helf mir

Wie konnte es sein, dass ein jeder immer mehr Geld, immer mehr Eigentum, mehr Ruhm haben wollte? Wieso wurde es gesellschaftlich nur geschätzt, wenn man Haus, Hof, Garten, Kinder, Ehepartner und bestenfalls noch einen Hund hatte? Und dann sollte man arbeiten bis man 67 war und darauf hoffen, dass noch eine schöne Zeit in Gesundheit bliebe, bevor man stirbt? Kann es das gewesen sein? Ist es das, was für uns erstrebenswert ist? Ist das das Ziel des Lebens? Das Ziel meines Lebens? Ich konnte es nicht glauben. Der Schmerz und die Leere in mir wurden nahezu unerträglich. Da begann ich nach Gott zu rufen! Ich rief und fing an zu weinen. Tränen liefen mir über das Gesicht:
„Gott, wenn es Dich gibt, dann bitte tu doch was! Das kann es doch nicht sein! Bitte lieber Gott, das kann doch nicht alles sein, ich glaube es nicht! Bitte Gott, bitte hilf mir, bitte, bitte hilf mir!“ Ich schluchzte und weinte bitterlich. Dieser Schrei kam aus einer anderen Ebene, und ich hatte das Gefühl, meine Seele habe um Hilfe gerufen. Als Kind war ich sehr gläubig, auch wenn ich selten in die Kirche ging. Doch mein Glaube war über die Jahre immer schwächer geworden, man könnte sagen, dass ich Gott vergessen hatte. Es verging etwas Zeit. Aufgrund meiner Schmerzen und der inneren Unruhe begann ich, Hatha Yoga zu praktizieren.

Yoga und Eis

Ich war vorher nie mit Spiritualität in Kontakt gekommen, und mich faszinierte, was meine Yoga-Lehrerin so berichtete. Ich verstand nicht alles und kann auch nicht sagen, dass ich das, was sie erzählte, zu 100 Prozent glaubte, oder gar nachvollziehen konnte. Trotzdem saugte ich innerlich alles auf, was ich erfuhr. Energien, Chakren, Mantren, alles interessierte mich und gab mir das Gefühl, dass scheinbar noch eine andere Welt existierte.

Ich verstand mich mit meiner Yoga-Lehrerin so gut, dass sich eine Freundschaft entwickelte und wir uns im Sommer privat zum Eis essen verabredeten. Als wir uns eine Zeit lang unterhalten hatten, tauchte ein Bekannter von ihr auf, den ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Dieser Mann entschied sich, noch zu bleiben und sich mit uns zu unterhalten. Ich verstand einiges, worüber sie sich unterhielten nicht, doch mitten im Gespräch hörte ich ihn sagen, dass am nächsten Abend ein Darshan mit Paramahamsa Vishwananda stattfinden würde. Er deutete auf mich und sagte: „Das wäre doch bestimmt etwas für Sie.“

Ich hatte keine Ahnung, worüber die beiden vorher gesprochen hatten, zudem wusste ich weder wer Paramahamsa Vishwananda noch was ein Darshan war. Voller Enthusiasmus hörte ich mich plötzlich laut sagen: „Ja klar, super! Ich weiß nicht worum es geht und wer das ist, aber ich komme mit! Machen wir das!“ Ich musste lachen. Hatte ich das gerade wirklich laut gesagt? Worum ging es eigentlich? Obwohl ich nicht wusste, was mich in einem Ashram erwarten würde, erinnerte ich meine Freundin am nächsten Tag an die Verabredung und hakte beharrlich nach, ob es bei dem Vorhaben bliebe.

Meine Frage

So kam es zwei Tage später wirklich dazu, dass ich mich mit ihr auf den Weg zum Ashram in Springen machte. Damals war es noch möglich, spontan ohne Anmeldung zu erscheinen, da es noch nicht so viele Besucher gab. Ich stellte einige Fragen, doch meine Freundin hielt es für besser, dass ich nicht so viele Informationen im Vorfeld bekam. Sie sagte, ich solle einfach alles auf mich wirken lassen.
Im Ashram angekommen fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Alle Menschen waren von verschiedenem Alter, verschiedener Kultur, trugen unterschiedliche Kleidung, und es wirkte alles offen, herzlich und bunt. Ich bemühte mich, nicht zu werten, sondern einfach nur wirken zu lassen. Trotzdem erinnere ich mich an den Gedanken, dass es sich vielleicht so bei den Hippies angefühlt haben könnte, wenn man die Drogen aus dem Spiel ließ.

In der Darshan-Halle schlugen mir fremde Klänge und Düfte entgegen, und wir fanden einen Sitzplatz neben dem Bekannten meiner Freundin. Er sagte zu mir, ich könne mir etwas wünschen. Nun begann das Gedankenkarussell in meinem Kopf. Etwas wünschen? Was war damit gemeint? Von dem Mann, zu dem alle gingen? Wer war Er? Warum verbeugte man sich vor Ihm? Was machte Er da eigentlich?
Warum saß Paramahamsa Sri Swami Vishwananda auf einem Thron? Was war ein Darshan? Ich stellte einige Fragen, erhielt jedoch nicht genug Antworten, als dass ich zufriedengestellt war. Ich konnte das alles nicht begreifen. Plötzlich hieß es, ich könne eine Frage stellen. Aber was für eine Frage sollte ich stellen? Eine persönliche? Ich kannte Paramahamsa Vishwananda doch gar nicht und Er mich wohl ebenso wenig. Ich überlegte mir vorsichtshalber eine Frage und die englische Übersetzung dazu. Da ich allerdings sonst niemanden mit Paramahamsa Vishwananda sprechen sah, traute ich mich nicht, Ihm meine Frage zu stellen. Ich war nervös. Mir war vor Aufregung fast schlecht.

Meine Freundin beruhigte mich und sagte, ich könne in der Wartereihe einfach nochmal in meine Frage hineingehen, das wäre vollkommen ausreichend, Er würde wissen, was in mir vorginge. Ich war so aufgeregt, dass mir mein Herz bis zum Hals schlug. Jeden Zentimeter, den ich Paramahamsa Vishwananda näherkam, pochte mein Herz schneller und stärker. Ich fühlte in mich und meine Frage hinein, bis ich mich vor Ihm aufrichtete und in Seine wunderschönen, liebevollen Augen blicken durfte. Dieser Moment dauerte gefühlt sehr lange, und meine Aufregung war schlagartig verflogen. Währenddessen hörte ich ganz laut, wie meine innere Stimme meine nicht ausgesprochene Frage formulierte. Es war, als hätte ich sie ganz klar und deutlich vorgelesen, dabei hatte ich äußerlich nichts gesagt.

Gott ist in deinem Herzen

Er schaute mich voller Liebe an, fragte mich nach meinem Namen und woher ich käme. Nach meiner Antwort dachte ich, Er würde sich abwenden, doch Er fragte mich: „What are you doing?“ (Was machst Du?). Ich antwortete: „I am looking for my own way of life and my mission.“ (Ich suche nach meinem eigenen persönlichen Lebensweg und meiner Berufung.) Wieder sah Er mich liebevoll lächelnd an und sagte mir, dass das, was ich zur Zeit tat, nicht dem entsprechen würde, aber dass sich in einigen Wochen etwas ändern würde. Dann sagte Er, dass ich aufhören solle, Gott im Außen zu suchen, denn Er sei in mir, in meinem Herzen. Und Er sagte, dass ich lernen müsse geduldig zu sein. Ich erhielt ein kleines Tütchen Vibhuti, ein Bonbon und ein Rosenblatt von Ihm und ging wie paralysiert auf meinen Platz zurück. Meine Freundin und ihr Bekannter schauten mich neugierig an: „Und?“ Es platzte aus mir heraus, und ich fing an zu weinen: „Er hat es gewusst! Er hat es ganz genau gewusst, warum ich hier bin! Ich kann es nicht glauben, Er hat es gewusst!“

Kopfschüttelnd steckte ich mir das Bonbon in den Mund und saß weinend mit geschlossenen Augen da. Ich konnte diese Begegnung nicht in Worte fassen. Obwohl ich nicht wirklich verstand, was an diesem Abend genau geschehen war, hatte ich bereits nach kurzer Zeit das Gefühl, wieder in den Ashram fahren zu müssen. Nach Seiner Aussage habe ich meinen Fokus auf meinen Beruf gerichtet, da ich dachte, dass meine Berufung mit meinem ausgeübten Beruf zu tun haben würde. Den Beruf übe ich heute noch aus, doch hat sich drum herum viel in meinem Leben verändert. Alle wunderbaren Veränderungen in meinem Leben begannen mit dem Tag, an dem ich meinen Satguru Paramahamsa Sri Swami Vishwananda treffen durfte.

Ich danke Dir, Gurudev, von Herzen für all das, was ich durch Dich erfahren und lernen darf. Danke, dass du mich gerufen hast. Danke für Alles. In Liebe Yvonne

Ankita Dasi

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